SCHÖNER TAGE TRAUM

Ein Roman von Franz von der Inde
 

Meta





 

10. Kapitel

Eva hatte sich am Sonntagnachmittag auf die Couch zurückgezogen, um ein Buch zu lesen und um sich mehr zu entspannen. Die letzten Wochen in ihrer Firma waren hektisch und nervig, weil die Sekretärin des Personalchefs überraschend ins Krankenhaus gebracht worden war. Eine andere Angestellte hatte sich nicht finden lassen, die Kollegin zu vertreten. Eva musste ständig von einem Chef zum anderen pendeln, um ihren erweiterten Aufgaben nachzukommen.

Von Ben hatte Eva gehört, dass Jörg an diesem Sonntag bei seiner Oma sein würde. So hatte sie mit ihrem Sohn vereinbart, er könne, wenn er wolle, zu Frau Friedrichs hinübergehen, um mit Jörg zu spielen. Sie hoffte darauf, sie könnte so still für sich einen zwar einsamen, aber gar nicht langweiligen Sonntag genießen.

Sie hatte für ihre Doppelbelastung im Büro eine kleine Zulage bekommen, die es ihr ermöglichen würde, Ben endlich die Inline-Skates zu kaufen, die er sich schon so lange gewünscht hatte. So brauchte sie nicht auf den monatlichen Betrag zu verzichten, den sie immer gern für einen ordentlichen Jahresurlaub zurücklegen wollte.

Sie dachte darüber nach, wohin sie wohl in den nächsten Sommerferien fliegen könnten. Eine Mutter mit ihrem 10-jährigen Sohn würde ja gleichviel wie zwei Erwachsene zahlen und drei Wochen Ferien sollten es doch schon sein, wenn man wirklich von Urlaub sprechen wollte. Wurden sie nicht immer so schräg angesehen, als unvollständige Familie? War nicht Ben manchmal ziemlich verstört vom Spielen am Strand zurückgekommen, um davon zu schwärmen, was die Väter dort so alles mit ihren Kindern anstellten und er wäre immer allein? Sollte sie vielleicht mal zur Abwechslung einen Club buchen, der alle Urlauber durch Gruppenanimationen zusammenbringt? Da wäre Ben und sie vielleicht besser aufgehoben und in Gesellschaft. Wenn da bloß nicht diese Zwangsfröhlichkeit und diese Gruppendynamik herrschen würde. Nichts für Individualisten. Aber es ging ja in erster Linie um Ben. Der brauchte unbedingt den Umgang mit anderen Kindern und sie selbst wollte auch das Gefühl haben, nicht nur allein Mutter sondern auch Frau zu sein und dabei ihren Sprössling in guten Händen zu wissen.

So, als ob sie die quälerischen Gedanken verscheuchen wollte, hatte sie statt ihres angefangenen Romans nach der Zeitung gegriffen, um Neuigkeiten aus der Region zu erfahren und dabei auch anderen interessanten Geschehnissen aus der Region Raum und Zeit zu geben. Sie war politisch nur allgemein interessiert, aber die fette Schlagzeile im Lokalteil der Zeitung ließ sich nicht übersehen.

FRAKTION DER GRÜNEN VON CDP HINTERGANGEN ?
EKLAT IM STADTRAT !

Ein Bericht von Lars Ungemuth

Eva schaute wiederholt irritiert auf die Unterzeile der Überschrift. Kein Zweifel, das musste ihr Nachbar sein, von dem sie nicht mal wusste, was der eigentlich beruflich machte. Neugierig geworden, begann sie, den Artikel zu lesen.

Nachdenklich legte sie danach die Zeitung beiseite und stellte sich die Frage, wann mal jemand in der Lokalzeitung so anschaulich von Meinungsverschiedenheiten unter Ratsparteien berichet und klare Sachverhalte so gut erläutert hatte.

Weil sie noch nichts für Ben zu essen vorbereitet hatte, wenn er am Abend hungrig nach Hause kommen würde, stand sie auf und ging in die Küche, um mit den Vorbereitungen zu beginnen. Während dieser Beschäftigung kreisten ihre Gedanken wieder weiter um diesen Lars und dessen Tätigkeit bei der Lokalzeitung. War er ein Don Quichotte im Kampf mit den Windmühlen? Damit macht man sich aber nicht unbedingt beliebt in unserer Stadt.

Fortsetzung folgt !
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